
Diese Aussage von Precht erscheint empathielos und hart, ist jedoch absolut zutreffend. Der Begriff „Liebe“ ist ein Monsterwort, da wir viele verschieden Dinge darunter fassen, wie die Liebe zum Tier, zu den Kindern, zum Partner, zum Essen usw. Wobei oftmals auch noch das Mögen damit gleichgesetzt wird. Diese Vermischung all dieser Dinge führt zu Missverständnissen in der Kommunikation und in der Gefühlswelt. Die Römer und Griechen hatten für jedes der oben genannten Beispiele verschiedene Worte, sodass sich eine logische Trennung ergibt und das Durcheinanderkommen in der Sprache und Gefühlswelt vermieden wird. Wir jedoch, haben aus alle diesen Dingen ein einziges Wort erschaffen und fragen uns, was ist denn Liebe eigentlich und vor allen Dingen in Bezug auf was?
Die Menschen fragen sich, warum es in der Beziehung zueinander nicht so funktioniert wie gewünscht oder besser gesagt, warum nach einiger Zeit keine Schmetterlinge im Bauch zu spüren sind. Nun, dass ist das Nicht-Ideal, also der Normalzustand, da Liebe von Natur aus nicht vorgesehen war. Und wenn wir ganz ehrlich sind, ist es nicht mal ein Gefühl, wie bspw. Hunger oder Durst. Man kann nicht fragen: Liebst Du mich? Denn dann müsste die Antwort lauten: Im Augenblick nicht, aber vielleicht später.
Liebe ist ein Sack voller Versprechungen und bedeutet Verantwortung zu übernehmen, sich zu kümmern, zu Geben und nicht nur zu nehmen, füreinander da zu sein, sich gegenseitig zu unterstützen, zuzuhören, zu verstehen, Körperlichkeit, ein Nein zu akzeptieren auch ohne Begründung, sich gegenseitig so zu respektieren wie der andere ist, sich nicht zu verbiegen, zu deformieren oder ändern bzw. anpassen zu wollen. Jeder hat sein Persönlichkeitsprofil und ja, es kann sich im Laufe der Jahre ändern, genau wie das Äußere. Respekt und Akzeptanz sind die Hauptaspekte. Es klingt so einfach, ist jedoch schwerer als gedacht, denn der Alltag, die Individualität, veränderte Umstände und Persönlichkeitsentwicklungen können dazu führen, dass diese Versprechungen abhandenkommen.
Menschen gehen bei der Liebe zum Partner von Grundannahmen aus, die nicht erfüllt werden können. Bereits bei der Aussage, dass er oder sie die bessere Hälfte seien oder sich jemand ohne den Anderen nicht Ganz fühlt, zeigt das fehlkonstruierte Verständnis von Liebe. Jeder Mensch ist ein ganzer Mensch. Und sich nicht vollständig zu fühlen bedeutet letztlich ein Mangel des eigenen Seins. Und nun soll ein anderer Mensch diesen Mangel bzw. diese Leere füllen? Was hätte, theoretisch dieser halbe Mensch, dann dem anderen Menschen zu geben? Die andere vorhandene Hälfte, die nicht besser ist? Aber dann wäre der Mensch jedoch wieder nur zur Hälfte vorhanden, allerdings mit einer besseren Hälfte? Schon allein dieses Beispiel zeigt, dass diese Annahme nicht zu dem gewünschten Resultat führt. Noch dazu stellt sich die Frage, wie haben die Menschen, wenn sie denn eine bessere Hälfte benötigen würden, bisher überlebt? Und warum soll ein anderer Mensch eine Leere füllen müssen, um geliebt zu werden oder um dieses Konstrukt als Liebe zu bezeichnen?
Gehen wir jedoch noch einen Schritt zurück. Zum ersten Aufeinandertreffen von zwei Menschen und der Butterfly Armee, die ausbricht, um das gesamte Innenleben auf den Kopf zu stellen. Der Mensch ist verliebt und geflasht, was jedoch nicht 40 Jahre lang hält. Vielleicht Spurenelemente davon. Alles andere wird ersetzt durch etwas was auch sehr schön sein kann.
Grund für den Ausnahmezustand der Verliebtheit ist biochemisch das sogenannte Phenylehtylamin, was für die Ausschüttung der Neurotransmitter Dopamin und Serotonin sorgt. Beide Neurotransmitter werden ganz nach oben gezogen. Wir fühlen uns leicht, unbeschwert, verwirrt usw.. Kurz und gut, diesen Zustand haben wir an sich nur, wenn wir stockbesoffen oder bekifft sind. Der Zustand kann maximal bis zu 3 Jahren anhalten. Länger kann der Dopamin- und der Serotoninspielgel vom Körper nicht oben gehalten werden, sonst würden wir am Ende verblöden, wenn wir darüber hinaus traumtänzelnd durch die Welt wandern mit besagter rosaroter Brille.
Zugegeben diese Art der Erklärung mag für die meisten von uns martialisch klingen. Und nur weil dieser Zustand einen biochemischen Hintergrund hat, heißt es nicht, dass Liebe nicht auch mehr als das Beschriebene sein kann. Der Verliebtheitszustand ist neurochemisch etwas Anderes, als das was wir mit Liebe bezeichnen, meinen oder verbinden.
Neben der Liebe zu Kindern, die biologische die Funktion der Brutpflege innehat, ist die romantische Liebe zu einem einzigen Partner eine Caprice der Natur. Es gibt über 400 Affenarten, wozu wir als Trockennasenaffen auch gehören. Es gibt jedoch nur eine Affenart, die Gibbons, die tatsächlich ein Leben lang monogam in einer Beziehung leben. Der Mensch versucht an sich etwas zu konstruieren, was nicht einmal in der Natur 1 zu 1 übersetzt werden kann. Der Mensch versucht etwas herbeizuschaffen, was nach seinen eigenen psychologischen Bedürfnissen über die Natur hinausgeht. Diese disruptive Ansicht vermag die von uns erschaffene romantisierenden Welt vielleicht nicht ins wanken zu bringen, dennoch zeigt sie uns etwas auf. Sie führt uns die eigene Limitierung vor Augen.
Wie sieht die Limitierung aus? Wir suchen nach romantischer Liebe, verbinden oder setzen sie fast gleich mit dem Wort Glück, stürzen uns verliebt in eine Beziehung, die am Ende in einem Desaster endet, denn Verliebtheit sowie Erwartungen bleiben zurück, da dies der Normalzustand ist und wir sind der Ansicht, dass es genau das ist, was das Leben ausmacht, was die Medien oder Filme propagieren. Singles werden dabei oft als einsam oder allein beschrieben und mit Mitleid angesehen. Dabei zeigen jedoch Befragungen, ich vermeide an dieser Stelle das Wort „Forschung“, das Glück oder Zufriedenheit nicht allein durch den Beziehungsstatus bestimmt wird. Was ist es denn, was wir suchen?
Letztendlich stellt sich nicht die Frage, ob ich eine Beziehung brauche, um mich aufgrund eines angenommenen Mangels vollständig und ganz zu fühlen, sondern alles läuft am Ende auf die entscheidende Frage hinaus, ob mein Leben einen Sinn hatte. Und plötzlich wird aus einer objektiven Sichtweise nach einer Beziehungsnotwendigkeit eine subjektive Frage. Precht fragt sich dabei, ob es einen inneren Gott gibt, also positive Energie, Innere Kraft, glaube an das Gute, Hoffnung, Zuversicht usw.
Ich denke genau das ist der Punkt und gleichzeitig auch die Antwort. Es kommt darauf an, welche Einstellung ein Mensch zum eigenen Leben hat und vor allen Dingen, ob dieser Mensch sich selbst mag, akzeptiert und im allgemeinen Sprachgebrauch sich auch liebt. Schließlich sind wir unser ganzes Leben lang mit uns zusammen. Sich selbst nicht zu mögen, sei es persönlich und körperlich, führt zur Unerfülltheit, Pessimismus und negativen Gedanken die wiederum auch zu negativen Ereignissen im Leben führen. Man kann dies mit den Gesetzen der Anziehung oder auch quantenpyhsikalisch betrachten, wenn man möchte, am Ende führen erfahrungsgemäß diese Überlegungen zu dem Ergebnis, dass derjenige sich erfüllt und geliebt fühlt, wenn er mit sich im Reinen ist und um bei Precht zu bleiben, seine innere Führung oder seinen inneren Gott gefunden hat.
Und was ist jetzt mit der Partnerschaft, Beziehung und der wahren Liebe? Eine gute Beziehung, eine liebevolle, unterstützende Partnerschaft kann das Leben bereichern. Sie ist jedoch nicht die einzige Quelle für Zufriedenheit, Erfüllung, Selbstliebe und Liebe zueinander im Sinne von Vertrauen, füreinander da sein, Gegenseitige Unterstützung, Respekt, Akzeptanz, Körperlichkeit usw. Eine derartige Limitierung führt zu Missverständnissen, zu nicht zu erfüllenden Erwartungen eine Leere ausfüllen zu müssen und zu Gefühlsirritationen.
Wahre Erfüllung, als bessere Begrifflichkeit an Stelle des zu komplex gewordenem Wort „Liebe“ kommt nicht von einem anderen Menschen. Wahre Erfüllung kommt von der Fähigkeit, mit sich selbst glücklich zu sein.


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